Leben mit halbem Herzen

Leben mit halbem Herzen – das geht?

Romina beispielsweise lebt so.

Man sieht es ihr nicht an. Genau das ist oft ein Problem.

Viele kennen Romina von Instagram und Facebook.

„Es gibt viele schöne Momente – mit meiner liebevollen Familie, meinen Kolleg:innen und wenigen wunderbaren Freund:innen.
Auch wenn ich nicht 100-prozentige Leistung bringen kann: Mein Leben ist wertvoll. Immer.“

Willst du wissen, wie Romina ihre Schulzeit und Ausbildung erlebt hat und ihren Alltag mit halbem Herzen erlebt?

Dann folge bei Social Media unserer Serie #Wunderherzen bei @fontanherzen_ev und @_herzwelt_

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Vor der Fontan-OP

Allgemeine Vorbereitung vor der Geburt und vor den Fontan-OP

1. Information und Aufklärung

Die Diagnose halbes Herz“ während der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Babys trifft die meisten jungen Paare heftig. Eine Fülle an Fragen taucht auf. Kann unser Kind überhaupt mit nur einer Herzkammer leben – oder ist es nach einer Operation wieder gesund? Was bedeutet das für uns als Familie? Mit wem können wir über all unsere Fragen reden? Wer hat diese Situation bereits gemeistert und kann Tipps geben?

Jede unserer Mitgliedsfamilien geht zwar ihren eigenen Weg, dennoch ähneln sie sich in vielem.

Allgemeingültiges:
  • am wichtigsten ist eine gute kinderkardiologische Aufklärung
    • Was bedeutet es für mein Kind, ein Einkammerherz zu haben? Wie sehen die OP-Schritte (u. a. Norwood, Glenn, TCPC*) aus?
  • der Austausch mit anderen betroffenen Familien (z. B. über den Mitglieder-Austausch bei Fontanherzen e. V.) gibt Einblick in unterschiedliche Herangehensweisen nach der Diagnose, Behandlungsschwerpunkte in den operierenden Kliniken und größere Sicherheit beim Treffen wichtiger Entscheidungen

2. Emotionale Vorbereitung

Der Start ins Familienleben mit gesunden Neugeborenen unterscheidet sich komplett von dem mit schwer herzkranken Babys. Muss der Säugling im Krankenhaus bleiben, beginnt für die Eltern eine Zeit voller Sorgen und Ungewissheit. Die Situation ist zweifach neu: Zum einen verändert ein Neugeborenes per se den Alltag. Zum anderen wirkt das, was vor der Familie liegt, beängstigend und unwirklich.

Die meist kalte Krankenhausumgebung mit ihrem sterilen Geruch, Kabeln, piepsenden Maschinen, die notwendig sind für die Behandlung, kann eine belastende Atmosphäre schaffen.

Auch eine innere Zerrissenheit zwischen der unbeschreiblichen Freude, sein Baby im Arm halten zu können, und der tiefen Traurigkeit beim Gedanken an die Schmerzen, denen es schon in den ersten Lebenswochen ausgesetzt sein wird, ist möglich.

Obwohl sich Ärzte und Pflegepersonal gut kümmern und auch die Familie Anteil nimmt, fühlen sich viele Eltern oft allein. Niemand von ihnen kann wirklich verstehen, was man durchmacht. Nur die Mütter, Väter und Geschwister, die ähnliche Kämpfe bestreiten müssen.

Es ist deshalb ratsam, sich auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle einzustellen – von intensivstem Schmerz bis hin zum unerschütterlichen Glauben an die Stärke seines Kindes. Das schließt einen gewissen Grad an Verständnis für mögliche Komplikationen und Besonderheiten auf der Intensivstation ein.

Auch Vorabüberlegungen, wie man mit der Trennung umgeht, wenn das Baby gleich nach der Geburt auf die Kinderintensivstation kommt, können diese schwierige Situation besser ertragbar machen.

Fotos vom Baby nach der Geburt oder Abdrücke der Füßchen sind Erinnerungen von großem Wert für die Zeit, in der man sein Kind nicht bei sich hat.

Ebenso emotional und schwer zu ertragen ist anfangs der Anblick des Babys/Kindes an Schläuchen, mit Narben, Drainagen und den vielen Medikamenten-Bäumen. Hierauf sollten Sie vorbereitet sein.

3. Organisatorisches

Erfahrungsgemäß sind die Eltern im Wechsel in der Klinik bei ihrem Baby. Der jeweils andere versucht zu Hause, wenn möglich, den normalen Alltag aufrecht zu erhalten – vor allem, wenn Geschwister zu versorgen sind.

  • jedes Elternteil benötigt seine eigene Kliniktasche mit Dingen für mehrere Tage: u. a. legere Kleidung und bequemes Schuhwerk, Nachtwäsche, Hygieneartikel – mehr siehe unten
  • frühzeitig nach Unterbringungsmöglichkeiten für Eltern (Ronald McDonald-Haus, Pension etc.) in Kliniknähe fragen
Hilfreich für den Krankenhausaufenthalt – nach OP 1 (Neugeborene)

Für das Baby auf der Intensivstation

    • Schnuffeltuch/Schmusetuch
    • evtl. Schnuller
    • Musikspieluhr mit beruhigender Melodie (die evtl. schon in der Schwangerschaft genutzt wurde)
    • kleines Stofftier oder Symbol (z. B. Glücksbringer, Engel), das am Bett befestigt werden kann
    • Foto von den Eltern/Geschwistern für den Sichtbereich am Bettchen (Folie oder laminiert)
    • für vertraute Stimmen sorgen: Eltern/Geschwister/Großeltern sprechen kleine Botschaften, Lieblingsgeschichten o. ä. ein (z. B. auf Tonie-Figur, MP3-Player)

Für die Eltern

    • bequeme Kleidung für die Klinik
    • Pumpe für Muttermilch
    • warme Socken/Pullover (es ist oft kühl auf Intensivstationen)
    • Snacks, Wasserflasche, Kopfhörer
    • Tagebuch oder Notizheft für Gedanken, Fragen, Fortschritte des Kindes
    • kleine Rituale für den Abschied, wenn man nachts nicht bei seinem Kind sein kann
Hilfreich für den Krankenhausaufenthalt – nach OP 2 (6–9 Monate)

Tipps für Babys

    • emotionale Stabilität schaffen
    • Fotoalbum aus abwischbarem Material mit Familienfotos, Haustier, Lieblingsspielzeug (oder laminierte Fotos)
    • Stoffbuch oder Quietbook mit bekannten Motiven
    • Toniebox oder MP3-Player mit gewohnten Geschichten oder Liedern
    • beruhigender Geruch: T-Shirt von Mama/Papa im Bettchen (wenn erlaubt)
    • Schnuller, wenn er verwendet wird, mehrere mitnehmen

Beschäftigungen im Krankenhaus

    • Silikonbeißringe (desinfizierbar)
    • Greifspielzeug, das leicht zu reinigen ist
    • Bücher aus Kunststoff (abwischbar)
    • Baby-Mobile über dem Bett (nach Rücksprache mit dem Pflegepersonal)
Hilfreich für den Krankenhausaufenthalt – nach OP 3 (Fontan-Komplettierung, 2–3 Jahre)
  1. Vertrautheit und Autonomie stärken
    • eigenes Kissen/Bettwäsche (wenn erlaubt) mit vertrautem Motiv
    • abwischbares Fotoalbum mit Familienfotos, vom Haustier, Lieblingsspielzeug usw. (oder laminierte Fotos)
    • „Krankenhauskoffer“ mit Lieblingsdingen, z. B.:
      • Lieblingsbuch
      • Kuscheltier (waschbar)
      • Hörspiele von zuhause
      • kleines Spielset (z. B. Magnetspiel, Duplofiguren etc.)
    • Sticker oder kleines Malbuch zur Beschäftigung und Ablenkung
  2. Familiennähe sichern
    • Besuchszeiten mit Geschwistern ermöglichen (vorher absprechen)
    • gemeinsames Foto am Bett machen
    • Fotos von zu Hause – z. B. vom Haustier oder Spielplatz – zeigen
Für die Seele – für Eltern und Kind
  1. Routinen schaffen
    • wenn möglich: jeden Tag zur gleichen Zeit vorlesen, singen oder da sein
    • kleine Rituale, z. B. „Gute-Nacht-Kuss auf den Finger“, den man dem Kind in die Hand gibt
  2. Kommunikation mit Pflegepersonal
    • Wünsche ans Bettchen hängen oder direkt ansprechen (Was ist dem Kind wichtig? Welche Rituale kennt es?)
    • Fragen stellen, mitdenken – man ist Teil des Teams
  3. Psychosoziale Begleitung nutzen
    • Kliniksozialdienst, Seelsorge oder psychosoziale Fachkräfte ansprechen – auch schon vor der Geburt
    • Angebote für Geschwisterkinder wahrnehmen
  4. Selbstfürsorge für die Eltern
    • sich Pausen gönnen, um Kraft zu tanken – nur starke Eltern können den Klinikmarathon mit ihren Kindern erfolgreich meistern
    • Unterstützung von Familie und Freunden annehmen
    • nicht alles alleine schaffen wollen – Hilfe bei der Geschwisterbetreuung, im Haushalt etc. organisieren
Vorschläge und Ideen für die Kliniktasche fürs Baby/Kleinkind
  • 2 Schnuffeltücher mit elterlichem Geruch
  • Musikspieluhr oder Toniebox
  • abwischbares Fotoalbum oder laminierte Fotos
  • Kleidung für den Tag der Entlassung
  • Lieblingsspielzeug/Buch (desinfizierbar)
  • Hörgeschichte (auf Tonie oder Stick)
  • Familienfoto fürs Bettchen
  • Tagebuch/Notizbuch für Eltern

Beim ersten Krankenhausaufenthalt sollte man notieren, was man beim nächsten Mal unbedingt mitnehmen möchte.

* Glenn, Norwood und TCPC sind die am häufigsten durchgeführten Operationsarten zur Herstellung des Fontan-Kreislaufs. Daneben gibt es alternative oder ergänzende OP-Verfahren.

1. Blalock-Taussig-Shunt (BT-Shunt)
    • wird manchmal vor der Norwood-OP eingesetzt
    • verbindet die Subclavia-Arterie mit der Pulmonalarterie und dient der Verbesserung der Lungendurchblutung bei zyanotischen Neugeborenen
2. Sano-Shunt
    • Alternative zum Blalock-Taussig-Shunt bei der Norwood-OP
    • verbindet den rechten Ventrikel direkt mit der Pulmonalarterie und kann zu stabilerer Hämodynamik führen
3. Hemifontan-OP
    • Variante oder Zwischenstufe zur Glenn-OP
    • wird manchmal gewählt, um die Belastung für das Herz besser steuern zu können
4. Hybridverfahren
    • Kombination aus interventionellen Kathetertechniken und minimalinvasiver Chirurgie
    • wird vor allem bei sehr kleinen oder instabilen Neugeborenen eingesetzt – Beispiel: Stenting des Ductus arteriosus und Pulmonalarterien-Banding
5. Herztransplantation
    • in seltenen Fällen, wenn die Fontan-Zirkulation nicht funktioniert oder andere schwere Defekte vorliegen
    • kommt meist später infrage, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind

 

 

 

 

 

 

Als Herzkranker Sport machen?

Als Herzkranker Sport machen?

Christian, 34, mit atriopulmonaler Fontan-Verbindung, erzählt:

„Als Kind hieß es für mich oft: ‚Du darfst das nicht!‘ Kein Sport. Nicht zu viel Anstrengung. Bloß aufpassen. Doch heute spiele ich Eishockey. Und ich habe gelernt: Es geht oft mehr, als man denkt.

Als Herzkranker Sport machen?
Mutmacher Christian Schmitz spielt Eishockey

Hallo, mein Name ist Christian. Ich bin mit einem halben Herzen auf die Welt gekommen. Das bedeutet: Mein Herz hat nur eine funktionierende Herzkammer, die sowohl das Blut in die Lunge als auch in den Körper pumpen muss – obwohl diese Arbeit normalerweise von zwei Kammern erledigt wird. Außerdem habe ich einen sogenannten Situs inversus. Das heißt, meine Organe liegen spiegelverkehrt in meinem Körper.

Mit drei Jahren hatte ich meine erste Operation. Trotzdem konnte ich als Kind ganz normal den Kindergarten, die Grundschule und später die weiterführende Schule besuchen. Ich habe erst relativ spät eine Ausbildung zum Schreiner begonnen und später noch ein Studium zum Holztechniker abgeschlossen. Heute bin ich selbstständig und arbeite meist remote.

In den 1990er Jahren hieß es bei einem Herzfehler wie meinem oft noch: ‚Bloß keinen Sport treiben.‘ Diese Meinung hat sich sehr lange gehalten. Dennoch blieb mein Fontan-Kreislauf erstaunlich stabil.

Schon immer war ich ein großer Eishockey-Fan. Während meines Studiums in Rosenheim habe ich dann 2017 angefangen, selbst Eishockey zu spielen. Ab da hat sich vieles verändert.

Meine Pumpkraft (Ejektionsfraktion, EF) lag zu Beginn bei nur 39 %. Als ich regelmäßig Eishockey gespielt habe und zusätzlich ins Fitnessstudio gegangen bin, hat sich meine Herzleistung deutlich verbessert. Bei meinem nächsten MRT im Jahr 2020 lag meine EF bei 53 %. Das bedeutete eine Verbesserung meiner Pumpkraft um 14 %.

Früher war mir oft gar nicht richtig bewusst, was mein Herzfehler eigentlich bedeutet. Als Kind versteht man vieles noch nicht – und als Jugendlicher will man es vielleicht auch gar nicht so genau wissen, aus Angst, anders zu sein oder ausgegrenzt zu werden.

Heute lebe ich bewusster. Ich ernähre mich gesund, nehme mir Zeit für mich und treibe regelmäßig Sport. Ob Weltreise oder neue sportliche Herausforderungen – ich setze mir immer Ziele, die mich motivieren und meinem Körper guttun. Mein Motto: ‚Ein halbes Herz – aber nicht halbherzig.‘

Ich möchte anderen Mut machen, die vielleicht gerade keine einfache Zeit mit ihrem Fontan-Kreislauf oder ihrem Herzen haben. Es ist nicht immer alles einfach – aber es lohnt sich, für ein gutes Leben zu kämpfen. Und manchmal kann schon ein kleiner Schritt – wie ein Spaziergang, ein neues Hobby oder ein sportliches Ziel – ein großer Anfang sein.

Außerdem ist es mir wichtig, mich aktiv in die Forschung einzubringen und an Studien teilzunehmen. Damit möchte ich helfen, die Zukunft für alle Fontan-Patienten besser zu machen. Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben, andere unterstützen und zeigen, dass auch mit einem halben Herzen ein erfülltes und aktives Leben möglich ist. Denn ein halbes Herz bedeutet nicht, nur ein halbes Leben zu führen.“

Heartbeat – der Mitmach-Ultra am 23.11.2024

5. Mai: Tag des herzkranken Kindes und Start unseres Blog

Albumin und Immunglobuline statt Kortison und Diuretika

… mit halbem Herzen und vollem Bock aufs Leben

Leo Fontano liebt löwenstarke Fotos!

Mailt uns Eure coolen Leo-Fotos — gern mit Euch und Euren Familien — bis zum 30. September 2023 an info@fontanherzen.de❣️

Die Fotos werden veröffentlicht, die besten zehn Aufnahmen prämiert. 

Ihr habt noch keinen Leo Fontano? Meldet Euch bei uns. Für neue Mitgliedsfamilien kommt Leo im Begrüßungspäckchen per Post. ????