Unser Kämpfer Aslan
Unser Kämpfer Aslan
Jeder Lebensweg unserer kleinen und großen halben Herzchen ist anders besonders. Und doch haben sie viele Parallelen. Mama Yagmur aus NRW erzählt die Herz-Geschichte ihrer Familie Sari.
Wir sind Eltern von zwei wundervollen Kindern – einer Tochter und einem Sohn. Aslan hat unser Leben und das unserer Familie von Grund auf verändert.
Als ich zum ersten Mal schwanger war, habe ich meinem damaligen Frauenarzt vollkommen vertraut. Er sagte mir, eine Feindiagnostik sei nicht nötig, da ich noch jung sei. Ich solle das Geld lieber für einen schönen Kinderwagen ausgeben. Es war meine erste Schwangerschaft, ich verließ ich mich auf sein Wort. So blieb der schwere angeborene Herzfehler unseres Sohnes unentdeckt.
Da nichts Außergewöhnliches zu sein schien, kam Aslan nicht in einer Spezialklinik, sondern in einem normalen Krankenhaus bei uns in der Nähe zur Welt. Am vierten Lebenstag bei der U2-Untersuchung stellte die Kinderärztin ein ungewöhnliches Herzgeräusch fest. Sie überwies uns sofort in eine Klinik mit kinderkardiologischer Abteilung.
Alles musste rasend schnell gehen
Dort folgte der Moment, der uns den Boden unter den Füßen wegriss. Die Kinderkardiologin schallte sein Herz und fragte, ob es in der Familie Herzfehler gäbe. Wir verneinten. Dann sagte sie die Worte, die ich wohl nie vergessen werde: „Es tut mir leid, aber Ihr Sohn hat einen sehr schweren Herzfehler. Wir können ihm hier leider nicht helfen.“ Die Klinik hatte weder eine Intensivstation noch eine Kinderherzchirurgie.
Aber alles musste doch ganz schnell gehen. Und so wurde unser kleiner Kämpfer Aslan sofort mit dem Krankenwagen ins Uniklinikum Aachen verlegt. Mein Mann und ich fuhren mit Todesangst hinterher.
In Aachen angekommen, sahen wir unseren neugeborenen Jungen angeschlossen an unzählige Kabel und Schläuche. Inmitten dieser Dunkelheit gab uns ein Arzt das erste Mal Licht und Hoffnung. Er sagte: „Herzlichen Glückwunsch zur Geburt. Wir können Aslan hier helfen.“ Diese Worte waren eine unbeschreibliche Erleichterung für uns.
Bereits an seinem fünften Lebenstag hatte Aslan seine erste Operation am offenen Herzen. Das war der Anfang eines sehr langen, emotionalen Weges. Aslan musste noch drei weitere Male am offenen Herzen operiert werden.
Von Aachen nach Berlin
Seine zweite große Operation sollte eigentlich wieder in Aachen sein. Doch in NRW wurde 2022 gestreikt, der Termin immer und immer wieder verschoben. Diese Situation war für uns kaum auszuhalten. Also besorgten wir uns alle Unterlagen aus Aachen und riefen in Berlin an. Dort bekamen wir zum Glück sofort Hilfe. Am Freitag, den 13. Mai 2022, fand schließlich die hochkomplexe Operation in Berlin statt. Die Chirurgen haben das Glenn-Stadium vorgezogen und zwei riesige Eingriffe in einem gemacht: die Norwood-1- und die Norwood-2-Operation. Unvorstellbare 18 Stunden war Aslan im OP! Es kam zu inneren Blutungen, sein Herz musste erneut geöffnet werden und er lag tagelang mit offenem Brustkorb auf der Intensivstation.
Und während ich um das Leben unseres Sohnes bangte, wuchs in meinem Bauch seine kleine Schwester heran.
Aslan bewies wieder einmal, was für ein unglaublicher Kämpfer er ist: Gott sei Dank erholte er sich nach dem Mammuteingriff sehr schnell, und wir durften endlich nach Hause.
Glückliches Kindergarten-Kind
Die Zeit danach war geprägt von unzähligen Herzkatheteruntersuchungen und intensiven Therapien wie Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Aufgrund seiner Vorgeschichte hat Aslan eine Entwicklungsverzögerung und eine Muskelschwäche – aber er lässt sich nicht unterkriegen und versucht jeden Tag, das Beste aus seinem Leben zu machen! Inzwischen geht er in einen heilpädagogischen Kindergarten, wo er sich richtig, richtig wohlfühlt und sich toll entwickeln kann.
Im Juli 2025 folgte dann seine dritte Herz-OP, bei der ein sogenannter „Super-Glenn“ (ein Shunt zur Verbesserung des Blutdurchflusses) gelegt wurde.
Und am Montag, den 14.09.2026, hatte unser Kämpfer seine vierte Operation am offenen Herzen – die entscheidende Fontan-OP, wieder in Berlin. Erneut heißt es für uns, bange Stunden und Tage zu überstehen. Denn noch wissen wir nicht genau, wie gut alles klappt und wie sein Körper die neue Kreislaufsituation annimmt. Die Ungewissheit wiegt schwer, aber Aslan kämpft weiter!
Als Familie stark
Wir gehen diesen Weg als Familie – mit viel Mut, unendlicher Liebe und dem Wissen, wie kostbar jeder einzelne Moment ist.
PS: Bei Instagram hat Yagmur die Seite @halbesherzvollesleben aufgebaut, um anderen Familien Mut zu machen und zu zeigen, was ein schwer krankes Kind, was eine Mutter, was eine Familie gemeinsam alles ertragen und schaffen kann. Dort ist auch eine Spendensammlung der Familie verlinkt.
PPS: Über die Stärke und Kraft unserer kleinen und großen Wunderherzchen und ihrer Familien erzählen wir auch bei Instagram – @fontanherzen_ev – und freuen uns über jedes Like, jeden Follower und jedes Reposting.


