Mit halbem Herzen auf Weltreise

Christian, 34, erfüllt sich seinen Traum und erzählt davon

„Seit dem 12. Oktober 2025 bin ich gemeinsam mit meiner Freundin auf Weltreise. Der erste Stopp war ein viertägiger Aufenthalt in Doha. Vom herbstlich kalten Deutschland ging es also direkt in die Wüste mit 38 Grad! Schon dort realisierte ich, dass weder der Temperaturunterschied noch die lange Flugzeit für mich ein Problem darstellen.

Unsere Reise führte uns weiter nach Thailand. Erste Station: Bangkok. Für mich nicht nur eine beeindruckende Stadt, sondern auch ein wichtiger Punkt aus gesundheitlicher Sicht. Im Ernstfall wäre Bangkok meine zentrale medizinische Anlaufstelle in Südostasien gewesen. Doch ich war gut vorbereitet. Vor der Reise habe ich alle relevanten Untersuchungen machen lassen: Herzkatheter, MRT, Spiroergometrie, EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Ultraschall, Langzeit-Blutdruckmessung, Blutanalysen sowie notwendige Impfungen. Mein Kardiologe hatte keine Bedenken gegen die Reise.

Gleichzeitig war mir bewusst, dass die medizinische Versorgung in vielen Teilen Südostasiens nicht dem deutschen Standard entspricht und die Entfernungen sehr groß sind. Diese Realität reist immer mit. Sie macht vorsichtig, aber sie hält mich nicht auf.

Von Bangkok aus ging es weiter durch Thailand. Tuk-Tuk-Fahrten durch chaotischen Verkehr, Streetfood an jeder Ecke und Städte, die nie stillstehen. Besonders beeindruckend war für mich das Yi Peng Lantern Festival in Chiang Mai. Tausende leuchtende Laternen stiegen gleichzeitig in den Himmel auf. Ein emotionaler Moment, der schwer zu beschreiben ist. Und der mir zeigte, wie intensiv Reisen sein kann.

Wir fuhren weiter in den Norden, vorbei an Tempeln, großen Buddha-Statuen und dichtem Dschungel.

Unser nächstes Ziel: Laos. Dieses Land hat mich besonders fasziniert – zum einen die Landschaft, vor allem aber die ruhige und herzliche Art der Menschen.

In Kambodscha, Vietnam und Laos wurden wir auch mit der Geschichte des Vietnamkriegs konfrontiert. Die Spuren davon sind bis heute sichtbar und haben uns nachdenklich gemacht.

Obwohl die drei Länder geografisch nah beieinanderliegen, hatte jedes seinen ganz eigenen Reiz. In Laos bin ich in Vang Vieng mit dem Heißluftballon gefahren. In Vietnam ging es mit dem Schiff durch die Halong-Bucht.

Die Reise hatte jedoch nicht nur schöne Momente. Es gab auch Situationen, die im Nachhinein klar als riskant einzuordnen sind. In Vietnam sind wir mit einem Rollertaxi ohne Helm durch den dichten Verkehr gefahren, nur um noch den letzten Bus zu erreichen. Solche Entscheidungen trifft man im Moment, ohne lange nachzudenken. Gerade mit meiner Vorgeschichte weiß ich jedoch, dass das nicht immer sinnvoll ist. Gleichzeitig zeigen genau solche Situationen, wie unterschiedlich Alltag und Sicherheitsgefühl weltweit sein können.

Anschließend verbrachten wir einige Tage in Hongkong und danach eine Woche in China. China hat viele meiner Vorurteile widerlegt. Die Menschen erlebten wir offen, hilfsbereit und freundlich. Gleichzeitig war es ein technologischer Sprung: Selbstfahrende Taxis und Drohnenlieferungen gehören dort bereits zum Alltag.

Weiter ging es auf die Philippinen. Besonders imponiert hat mir dort die Lebensfreude der Menschen. Ich bin mit Schildkröten und Walhaien geschwommen, habe Korallenriffe gesehen und eine Unterwasserwelt erlebt, die sich kaum in Worte fassen lässt. Dabei war es uns wichtig, Abstand vom Massentourismus zu halten. Keine angefütterten Tiere, keine überfüllten Spots. Wenn wir nichts gesehen haben, ging das in Ordnung. Wichtig war, dass die Natur so bleibt, wie sie ist.

Überhaupt liegt ein entscheidender Punkt dieser Reise darin, bewusst aus dem klassischen Tourismus auszubrechen. Nicht nur Sehenswürdigkeiten zu sehen, sondern das echte Leben kennenzulernen. Auf den Philippinen sind wir mit dem Roller durch Gegenden gefahren, in denen kaum Touristen unterwegs sind. Kinder haben uns zugewinkt, Menschen haben gelacht und sich gefreut. Diese Begegnungen sind für mich oft intensiver als jede Sehenswürdigkeit.

Die ständigen Ortswechsel und Zeitverschiebungen sind ein Stressfaktor – gerade körperlich. Was mir hilft, ist Bewegung. Sport ist für mich ein fester Bestandteil geblieben, auch während der Weltreise. Schwieriger ist die Ernährung, weil sie oft nicht dem entspricht, was ich von zu Hause gewohnt bin.

Nach den Philippinen stand Australien auf dem Programm. Damit hatte sich auch meine medizinische Absicherung verändert. Australien und Neuseeland gehören zu den Ländern mit den weltweit führenden Registern für Patienten mit Fontan-Kreislauf. In Melbourne und Sydney gibt es spezialisierte Zentren.

Gleichzeitig zeigt sich hier auch ein Unterschied zu Deutschland. Während man hierzulande innerhalb weniger Stunden eine spezialisierte Klinik erreicht, sind die Entfernungen in Australien enorm. Im Outback kann man im Notfall schnell mehrere tausend Kilometer von der nächsten spezialisierten Versorgung entfernt sein.

Australien begrüßte uns direkt mit seiner Tierwelt: Papageien, Koalas, Pinguine und Kängurus. Nach einer Woche in Melbourne haben wir uns für sieben Wochen einen Camper gemietet. Aktuell (März 2026) sind wir im Outback unterwegs. Vor wenigen Tagen standen wir noch am Uluru. Atemberaubend fand ich den Kings Canyon. Eine gewaltige Sandsteinschlucht, die wir bei über 30 Grad zu Fuß erkundet haben. Vier Stunden, etwa acht Kilometer. Ausreichend Wasser und Elektrolyte sind dabei entscheidend. Aber das kenne ich von meinen langen Rennradtouren.

Unsere Strecke durch Australien wird insgesamt etwa 9.000 Kilometer umfassen.

Und die Reise durch die Welt ist noch nicht zu Ende. Spätestens im Oktober 2026 kehren wir zurück. Ob es vielleicht früher wird, lassen wir bewusst offen.

Was mich auf diesem Abenteuer besonders beschäftigt, sind die Menschen, denen wir begegnen. In China wollten Menschen Fotos mit uns machen. Auf den Philippinen wurden wir einfach angelächelt und begrüßt. In Australien hört man oft „no worries“ (kein Problem, kein Stress, alles gut; d. Red.). Überall haben wir Menschen getroffen, die dem Leben mit einer bemerkenswerten Gelassenheit und Herzlichkeit begegnen. Eine Haltung, die mich inspiriert und die vieles einfacher macht.

Atemberaubend und für immer in meiner Erinnerung: der Nachthimmel im Outback. Hier ist die Milchstraße mit bloßem Auge sichtbar. Da merkt man, wie klein man eigentlich ist. Und gleichzeitig, was für eine Leistung der eigene Körper jeden Tag bringt. Obwohl er nur von einem halben Herzen am Leben erhalten wird, funktioniert er seit vielen Jahren zuverlässig und trägt mich derzeit um die Welt.“